Vorab: WordPress ist nicht falsch. Es betreibt über 40 % des Internets und macht das in vielen Fällen sehr gut. Wenn Sie einen Blog mit 50 Autoren betreiben, eine komplexe Mitgliederverwaltung brauchen oder einen Online-Shop mit echtem Produktkatalog — dann führt an WordPress + WooCommerce kaum ein Weg vorbei.
Aber das ist nicht der Mittelstand-Standardfall.
Was Sie eigentlich brauchen
Die meisten Mittelstands-Webseiten haben 4 bis 12 Unterseiten, ein Kontaktformular, einen Stellen-Bereich und eine Karte mit den Öffnungszeiten. Maximal. Was sie nicht haben: dynamische Inhalte, Benutzeranmeldungen, einen Blog der wöchentlich befüllt wird, oder einen Shop mit 500 Artikeln.
Für diesen Anwendungsfall ist WordPress wie ein Lastwagen für den Wocheneinkauf. Funktioniert. Aber Sie zahlen für eine Komplexität, die Sie nie nutzen.
Die echten Kosten
Hier die ehrliche Rechnung. Eine WordPress-Seite hat in den ersten 24 Monaten folgende laufende Kosten, die viele Anbieter nicht offen kommunizieren:
- Hosting mit ausreichend Leistung: 15 – 30 €/Monat (Shared-Hosting ist meistens zu langsam)
- Premium-Theme oder Page-Builder: 50 – 200 € einmalig oder 100 €/Jahr Abo
- Premium-Plugins (Backups, Sicherheit, Formulare, SEO): zusammen ca. 150 €/Jahr
- Wartung: Plugin-Updates, Core-Updates, Theme-Updates — mindestens monatlich. Wenn Sie das ignorieren, läuft die Seite irgendwann nicht mehr oder wird gehackt. Realistisch: 60 – 120 €/Monat bei einer Agentur.
- Notfall-Reparaturen: Wenn ein Update etwas zerschießt (passiert mindestens einmal pro Jahr), kostet die Reparatur 200 – 800 €.
Macht in 24 Monaten zwischen 2.500 € und 5.000 € laufende Kosten — ohne dass irgendwer eine inhaltliche Verbesserung an Ihrer Seite gemacht hätte.
Die Alternative: schlanke statische Seiten
Was ich für meine Kunden baue, ist technisch banal: statisches HTML, ein wenig CSS, ein bisschen JavaScript, ein PHP-Skript fürs Kontaktformular. Das war's. Kein Theme, kein Plugin, kein Update-Drama.
Das Ergebnis: Eine Seite, die in unter zwei Sekunden lädt, die ich für 49 – 129 €/Monat sicher betreibe, und bei der „Wartung" bedeutet: Hosting läuft, Backups laufen, SSL-Zertifikat erneuert sich — fertig. Es gibt keinen WordPress-Core, der gehackt werden könnte. Keine Plugins, die inkompatibel werden.
„Aber dann kann ich nichts mehr selbst ändern!" — Doch, können Sie. Texte und Bilder ändere ich für Sie als Teil des Monatspakets, üblicherweise in einem Werktag. Aber: 80 % der Kunden, die anfangs WordPress wollten „weil ich selber pflegen will", haben in den ersten 12 Monaten keine einzige Änderung selbst gemacht.
Wann WordPress trotzdem die richtige Wahl ist
Damit das hier nicht einseitig wird:
- Sie betreiben einen aktiven Blog mit mehreren Autoren und wöchentlichen Artikeln
- Sie brauchen einen echten Online-Shop (dann eher Shopify als WooCommerce)
- Sie wollen Mitglieder-Funktionen, Foren, Community-Features
- Sie haben jemanden im Team, der WordPress wirklich versteht und Wartung übernimmt
In all diesen Fällen: ja, WordPress oder eine vergleichbare CMS-Lösung. Wenn Sie keinen dieser Fälle treffen: spart die schlanke Variante Geld, Nerven und macht die Seite messbar schneller.
Mein Ansatz
Ich frage am Anfang eines Projekts immer: Wie viele Texte ändern sich pro Monat? Wie oft kommen neue Stellenanzeigen? Brauchen Sie wirklich einen Login? Aus den Antworten ergibt sich die richtige Technik — nicht aus der Frage „nehmen wir WordPress?".
Wenn die ehrliche Antwort ein „nicht viel" ist, dann ist eine statische Seite die richtige Wahl. Schneller. Sicherer. Billiger im Betrieb. Wenn die ehrliche Antwort ein „viel" ist, sage ich Ihnen das auch ehrlich — und entweder baue ich ein passendes Setup, oder ich empfehle Ihnen jemanden, der besser dafür gerüstet ist.